Sie betraten das Café. Drinnen war es angenehm kühl und es roch nach süßer Schlagsahne und Kakao.
Elizabeth, Luca und Rick setzten sich an einen großen hölzernen Tisch und Jade ging – ein wenig nervös – zur Theke, um zu bestellen. Sie sah sich eine Weile nach einem Kellner um, doch als ein junger Mann mit schmierigem Ausdruck um die Lippen und vom Haargel ebenso schmierigem Kopf hinter der Theke erschien, war sie dennoch ein wenig erschrocken.
„Bienvenue, jeune dame, à notre humble café et ce que je peux vous offrir? Aujourd’hui, dans notre offre que je ne peux que recommander vivement la soupe de poireaux néerlandais avec la crème sure supplémentaire. Ou peut-être vous préférez un rafraîchissement glacé? Quoi qu’il en soit, nous allons essayer de répondre à la demande, s’il est possible pour nous de rencontrer.”
Jade sah den Mann mit weit aufgerissenen Augen und völlig verständnislos an. Und der starrte zurück. „Äh… bitte was?“
„Ah…“, sagte der Kellner und ein plötzlich wissender Ausdruck stahl sich auf sein Gesicht. „Engländer. Das wiederholen wir jetzt noch mal, in Ordnung?“
Bevor Jade überhaupt Zeit hatte, etwas zu erwidern, war der Kellner wieder hinter einer Tür verschwunden. „He Sie!“, rief Jade ihm verwirrt hinterher. „Kann ich hier etwas bestellen?“
„Einen Moment, einen Moment!“, flötete der Kellner mit starkem französischem Akzent und dann kam er wieder hinter die Theke und sah Jade an, als würde er sie gerade zum ersten Mal in seinem Leben sehen.
„Guten Tag, junge Dame, in unserem bescheidenen Café und was kann ich Ihnen anbieten? Sehr zu empfehlen, das Angebot des Tages, niederländische Lauchsuppe, gekrönt mit einem Tüpfelchen Schmant. Oder darf ich Ihnen eine eiskalte Erfrischung bringen? Was es auch sei, wir werden uns darum bemühen, Ihren Anforderungen so gut es geht nachzukommen.“ Er lächelte stolz.
„Ja“, sagte Jade trocken. „Danke. Ich bin begeistert.“
„Kuchen?“, fragte der Kellner und lächelte sein schmieriges Lächeln. „Kaffee? Pfannkuchen?“
„Waffeln“, sagte Jade. „Auf dem Schild draußen steht, dass Sie original belgische Waffeln verkaufen.“
„Oh ja!“, sagte der Mann begeistert und fuhr sich durch die gegellten Haare, was Jade nur hoffen ließ, dass er nicht ihre Waffeln zubereitete. „Gute Waffeln! Die besten in ganz Belgien. Ich möchte fast sagen, dass unser kleines Café der Ursprung der Waffel ist.“
Jade schürzte irritiert die Lippen und fragte sich, wann sie endlich einem normalen Menschen über den Weg laufen würden. Aber was das anging war Jade wirklich nicht vom Glück beschenkt. Nicht nur, dass alle Leute, denen sie begegneten, ein wenig seltsam waren, weder Elizabeth noch Rick waren das, was man normale Teens nennen konnte. Und selbst Luca war auf seine eigene Weise seltsam, von ihr selbst ganz zu schweigen.
Aber dieser komische Kellner machte Jade irgendwie ein wenig Angst.
„Der Ursprung, aha“, sagte sie. „Wie viele Waffeln bekomme ich für vier Euro zwanzig?“
„Vier Euro zwanzig?“, meinte der Kellner erschrocken; vermutlich hatte er sich ein besseres Geschäft erhofft. „Meine Güte, Liebes, dafür backe ich dir eineinhalb.“
„Toll. Dann tun Sie das bitte!“, sagte Jade genervt, ignorierte die belustigten Blicke, die der Kellner ihr zuwarf, und ging so schnell es ihr möglich war zurück zu den anderen dreien, die sie mit hungrigen Gesichtern erwarteten.
„Warum hat das so lange gedauert?“, murrte Rick misslaunig und fingerte an einer leicht mitgenommen wirkenden Weinkarte, die vor ihm auf dem Tisch stand.
„Rick, hör auf, die Karte kaputt zu machen!“, rügte ihn Elizabeth und entriss ihm die Karte mit mahnendem Blick. „Du handelst immer so unüberlegt! Andere Leute wollen auch noch sehen, was es hier zu trinken gibt, ganz zu schweigen davon, dass du dadurch das Geschäft dieses Cafés beträchtlich beeinflusst…“
„Die werden schon nicht pleite gehen, nur weil die Weinkarte auf diesem Tisch ein wenig zerknittert ist“, lachte Luca und Jade schüttelte lächelnd den Kopf. Sie waren schon ein großer Haufen komischer Kinder!
„Reicht das Geld für Waffeln?”, fragte Luca hoffnungsvoll und Jade nickte abwesend und sah Rick dabei zu, wie er kleine Papierfetzen aus der Weinkarte riss. Elizabeth blähte entnervt die Nasenflügel.
„Apropos Geld“, sagte Rick und schnippte die Papierfetzen zu Elizabeth hinüber. „Wir sind völlig blank. Wie sollen wir einmal um die Welt fahren – ganz ohne Geld?“
Die Anderen schwiegen bedrückt. Nach einer Weile schien es, als wäre Jade jegliche Möglichkeiten in ihrem Kopf durchgegangen, aber sie fand einfach keine gute Lösung für das Geldproblem. Spontan waren ihr Lösungen eingefallen, in denen die Vier einen gesuchten Verbrecher einfingen und dafür eine fette Prämie einkassierten, aber so etwas war leider mehr als unwahrscheinlich.
„Ich weiß es nicht“, sagte sie.
„Keine Ahnung“, nörgelte Elizabeth.
Und „Ich hab Hunger!“, war Ricks Beitrag.
Als sie immer noch so schweigsam dasaßen und grübelten, kam schließlich der schmierige Kellner zu ihnen, auf einer Hand ein großes Tablett balancierend. Und auf diesem Tablett waren die eineinhalb Waffeln, die Jade bestellt hatte.
„Mademoiselle“, sagte er schleimend und setzte den Teller vor Jade auf den Tisch. Sofort zog Rick den Teller zu sich heran und begann, sich über die Waffeln herzumachen.
„He, lass uns auch noch was übrig!“, sagte Luca, der befürchtete, dass nichts mehr für ihn übrig bliebe, wenn Rick erst einmal einem großen Waffelwahn verfiel.
Doch der Kellner war noch nicht am Ende, er wollte sich einfach nicht zum Gehen wenden. Jade sah ihn fragend an.
„Für jede original belgische Waffel“, erklärte der Kellner mit einem Lächeln, „kann man bei uns ein Los ziehen. Es gibt atemberaubende Preise zu gewinnen und weil Sie soeben eine… eineinhalb Waffeln gekauft haben, dürfen auch Sie ziehen.“
„Warum nicht.“ Jade zuckte die Schultern und griff in den großen Topf voller Lose, den der Kellner ihr hinhielt.
Elizabeth schnaubte. „Die Chance, bei so etwas zu gewinnen, ist so gering, dass sie beinahe nichtig ist! Das ist vermutlich nur so ein Geschäftstrick, mit dem sie ihre Gäste dazu bringen, noch mehr zu kaufen. Am Ende sind in dem Topf nur Nieten…“
„Elizabeth!“, flüsterte Luca mahnend und zuckte mit dem Kopf in Richtung des Kellners, der noch immer an ihrem Tisch stand. Doch der strafte Elizabeth mit königlicher Verachtung.
Jade öffnete das Los und las es einmal, zweimal, dreimal um. Ein ungläubiger Ausdruck stahl sich auf ihr Gesicht. „Leute“, sagte sie mit vor Aufregung zitternder Stimme. „Ihr dürft mich ab heute eine Glücksfee nennen!“
Sie hielt das Los in die Luft: Gratulation! Sie sind der glückliche Gewinner von 250 Euro!

Wenig später verließen die vier jubelnd und lachend das Café; Jade schwenkte zufrieden einen kleinen Scheck durch die Luft.
„Du bist die Beste, Jade!“, sagte Elizabeth beeindruckt und Jade lächelte zufrieden. Solch ein großes Lob aus Elizabeths Munde war das Beste, was ihr heute passiert war.
„Also“, sagte Luca, ebenfalls ein zufriedenes Grinsen im Gesicht. „Lasst uns sehen, dass wir so schnell wie möglich aus Belgien rauskommen, es hängt mir langsam schon zum Halse raus.“
„Wir sind ja gerade erst angekommen“, sagte Rick. „Zwischen uns und der nächsten Grenze liegen vermutlich hunderte von Kilometern! Also mach dich noch auf eine schöne Zeit in Belgien gefasst, Luca!“
Die Stimmung sank sofort wieder. Elizabeth, die ihnen das Ganze schließlich eingebrockt hatte, sah sich offenbar verpflichtet, die Situation zu retten: „Aber hey: Wir sind reich, Leute!“, sagte sie und entriss Jade den Scheck über zweihundertfünfzig Euro. „Und für jemanden mit Geld ist nichts ein Problem.“
Elizabeths Worte erwiesen sich als richtig. Nachdem sie sich in dem verschlafenen Örtchen ein wenig kundig gemacht hatten, fanden sie den Weg zu einem Überlandbus, der nach Brüssel fahren würde.
Zähneknirschend zahlte Jade den Preis für alle vier – über achtzig Euro. Den Scheck hatten sie zuvor in einer Bank in bares Geld umtauschen lassen.
Die Fahrt nach Brüssel war holprig und die Sonne schien hell durch die Fenster. Zu allem Überfluss gab es im Bus nicht einmal eine Klimaanlage, weshalb die Temperatur schon nach einer knappen halben Stunde die erreicht hatte, die für gewöhnlich in einer Sauna herrschte. Elizabeth schlief die meiste Zeit über, Luca starrte schweigsam zum Fenster hinaus und Rick hatte sein Handy aus der Hosentasche geholt und tippte unablässig darauf herum.
„Mist!“, sagte er nach einer Weile wütend zu Jade. „Meine Mutter macht sich Sorgen, weil ich so lange schon nicht mehr zuhause war. Was soll ich ihr denn jetzt schreiben?“
„Schreib doch, dass die Callaways… ein besonderer Pflegefall sind“, erwiderte Jade und Rick beugte sich Augenblicklich wieder über sein Handy und schrieb weiter.

Brüssel war eine wunderschöne Stadt. Je länger Elizabeth in der Stadt umherwanderte, desto faszinierter war sie von den vielen alten Gemäuern, die es hier gab, von den riesigen Kirchen und von den prachtvollen Straßen.
„Wahnsinn!“, murmelte sie immer wieder. „Können wir nicht ein wenig hierbleiben und uns alles genauer ansehen?“
Jade hielt das für eine gute Idee, aber leider waren die Jungen völlig unwillig.
„Ich will raus aus Belgien!“, meinte Luca ein ums andere Mal und Rick wollte sich seine neuen Turnschuhe nicht verderben, die, wie er sagte, sehr teuer und unersetzbar waren. Daraufhin erwiderte Elizabeth, dass er sich seine Schuhe vermutlich ohnehin ruinieren würde, spätestens wenn sie irgendwo in der Wildnis Asiens waren und nach dem Streit, den sich Elizabeth und Rick daraufhin lieferten, hatte niemand mehr große Lust auf eine lange Stadttour.
Also übernachteten die vier in einem heruntergekommenen Hotel, wachten mit steifen Gliedmaßen auf und aßen muffige Cornflakes und ekelhaft schmeckenden Kakao.
Der nächste Bus, den sie nahmen, fuhr über Liége nach Aachen.


Kommentare

Belgien (Teil 3) — 2 Kommentare

  1. Es tut uns echt leid, dass der Kellner dieses gebrochene Google-Übersetzer-Französisch sprechen muss, aber weder Kit noch ich können auch nur ein Wort Französisch. Es ist eigentlich auch egal, was der Kellner sagt, aber sollte doch jemand von euch gut in Französisch sein und eine bessere Übersetzung parat haben, würden wir uns riesig freuen, sie zu hören 😉
    lg Vi

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