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Kommentare

Identität? — 12 Kommentare

  1. Hej super! Još samo da prevedeš i na B-H-S-Cg 😉

    Danke für diesen interessanten Einblick in deine (nicht nur) sprachliche Seele.
    Könntest du den Artikel auch in Bosnisch-Kroatisch-Serbisch-Montenegrinisch übersetzen?
    Liebe Grüße!

  2. Hi,
    ich musste lachen als ich deine Meinung zu „Wir haben heute wieder einmal gut gespielt“ gelesen habe.
    Schön geschrieben 🙂

  3. Hmm, mit den Ex-Jugoslawischen Ländern kenne ich mich nun wirklich kaum aus (auch wenn sie natürlich wegen der Flüchtlingskrise ständig in den Nachrichten erwähnt werden) aber das mit dem Fremdfühlen ist bei mir auf herzliche Weise total verdreht. Ich bin Deutsche. So viel dazu. Eigentlich könnte es ganz simpel für mich sein, aber meine Mutter ist Chinesin und da dunkle Haut und Haare dominanter sind als blonde Löckchen habe ich natürlich das chinesische Aussehen geerbt. Führt dazu, dass man von Klassenkameraden mal mit einem „Geh zurück nach China“ blöd angemacht wird. Dabei wurde ich in Tübingen geboren und fühle mich so verdammt deutsch. Inklusive kollektive Schuldgefühle für den zweiten Weltkrieg, obwohl ich nicht mal den Mauerfall erlebt habe. Inklusive alles mögliche an Deutschland, das nicht so toll ist, aber ich identifiziere mich trotzdem nicht damit. Weil eben Fußball WM nicht alles ist, um einen deutsch zu machen. Ich stehe eher bei Rot, als manche deutsch-deutschen Kinder und Deutsch ist die Sprache in der ich denke. Chinesisch ist nicht bloß ein anderes Lautesystem, sondern wirklich eine andere Sprache und die Zeichen sind nicht bloß abgewandelte griechische Lettern sondern wirkliche Hieroglyphen, von denen ich wirklich nur die simpelsten Begriffe und meinen Namen kenne… dadurch bin ich völlig abgeschnitten von der chinesischen Kultur, auch wenn ich schon oft dort war. Ich kann fließendes, einwandfreies Englisch, aber Chinesisch? Vergiss es…

    Das mit dem Fußball: Nü ja. Alle thematisieren immer sofort den Fußball, wenn es um deutsches Nationalgefühl geht. Aber das liegt wohl hauptsächlich daran, dass es kaum andere Identifikationsbereiche für Deutsche gibt, um ihre Kultur zu definieren. Bier, Autos, Helene Fischer? Hört mir bloß auf damit. Das kommt aus Deutschland und ist wohl tatsächlich das einzige, wofür man uns weltweit kennt. Aber es sind auch die immergleichen Dinge, die man rausholt(genau wie die roten Ampeln, an denen jeder Depp stehenbleibt), wenn man über’s deutsch-sein redet und dabei gibt es viel, viel mehr.
    Was ICH an Deutschland mag? Fachwerkhäuser in den Innenstädten und Kopfsteinpflaster in Fußgängerzonen. Dass es hier fast keine Schlaglöcher in den Straßen gibt. Eine tatsächlich Verhaltenskultur für Radfahrer im Straßenverkehr und die Mögichkkeit, wirklich überrall radzufahren und durchzukommen. Dass man den blauen Himmel sehen kann, den wirklich blauen, der nicht, wie in China, von Smog verdeckt ist. Kalte Winter. Apfelschorle. Spezi. Die wirkliche Kultur setzt sich aus unwichtigen Kleinigkeiten zu einem Gesamtbild zusammen.

    Schau, ich könnte auch vollkommen international sein. Aber ich war in einem vollkommen fremden Land, das nicht China war, und dort ist mir aufgefallen, wie verdammt-scheiße deutsch ich eigentlich bin. Mein Denken und Handeln ist vollkommen davon beeinflusst und ich bin lieber ehrlich. Deswegen sind wir Deutschen nicht allesamt Völkermörder bis ins neunte Glied… ich trage die Verantwortung, meinen Kindern das weiterzugeben, aber Schuld und Schulden sind zwei paar Schuhe. Man kann nämlich nur letzteres vererben und ererben. Schuld ist etwas, das man nicht von anderen aufgeladen bekommen kann, ebensowenig wie man seine eigene Schuld wirklich auf andere abwälzen kann. Die Strafe vielleicht schon, aber nicht die Schuld an sich. Deswegen kann man die meisten heutigen Deutschen nicht als Völkermörder bezeichnen. Wir wurden auch nur zufällig in diesem Land oder von Eltern ebendieser Nationalität geboren. Erst wenn wir leben und zu denken beginnen, beginnen wir Entscheidungen zu treffen. Erst, wenn wir Entscheidungen treffen können, können wir auch Verantwortung übernehmen. Und ich war zwischen 1933 und 1945 noch nicht in Lage Entscheidungen zu treffen, auch nicht 1999 als ich geboren wurde.

    Es gibt übrigens auch sehr viele Chinesen, die Fans der deutschen, oder der spanischen oder einer sonstigen Fußballnationalmannschaft sind. Chinesen sind Fans von Siegern und da ihre eigenen Fußballer nicht liefern… Fußball und Nationalität haben wirklich nicht unbedingt etwas miteinander zu tun. Bei kleinen Ländern vielleicht ein bisschen mehr. Aber es geht hier viel weniger um die Flagge. Es ist auch manchmal die Frage, was ein Land ist. In vielen afrikanischen Ländern bedeutet der gleiche Pass nicht unbedingt, dass man zum selben Volk oder zur selben Kultur gehört. So wie Jugoslawien auch kein einziges Land war. Nationen, das ist zugegeben nichts, das natürlich entstanden ist. Kultur hat sich eher durch die Natur des Menschen entwickelt. Und vielleicht sind es wirklich nur die räumlichen und sprachliche Barrieren, die uns trennen. Aber alle Menschen von heute auf morgen international werden zu lassen, ist ebenfalls eine Utopie, genau wie der Nationalstaat. Es gibt immer etwas, woran man sich festhält, an Lieder, an Sprache oder bestimmte Geschichten. Das ist nämlich Kultur und nicht bloß das Schwenken einer Flagge mit diesen oder jenen Farben und Mustern. Und bevor ich mich entscheide, nicht bloß Deutsche, sondern Weltbürgerin zu sein, wie ich es irgendwie bereits bin, bleibe ich doch lieber bei den Deutschen und passe auf, dass sie zwischenzeitlich keinen Unsinn anstellen, einen dritten Weltkrieg anzuzetteln, zum Beispiel. Das liegt meiner Meinung nach tatsächlich darin, Deutsche zu sein. Dass man aufpasst, dass so etwas nicht nochmal passiert. Verantwortung für den Mord an Millionen von Menschen trägt man dabei nicht, erst wenn es eben das zweite Mal passiert, dann schon. Deswegen bin ich Deutsche. Wenn sich die vernünftigen, friedlichen deutschen Bürger alle ausbürgern lassen würden… Nein, eben lieber nicht. Man kann ja den Rest nicht alleine lassen. Ich bin Deutsche, um aufzupassen, dass die anderen keinen Scheiß anstellen.

    Ansonsten? In China kann es passieren, dass man mit Heil Hitler begrüßt wird, wenn man sich als deutsch zu erkennen gibt, weil das die einzige Person in der deutschen Geschichte ist, die sie kennen.

    Nur, weil ich finde, dass es nicht so einfach ist, wenn man jemanden abschreibt, nur weil er zu seiner Nation hält. Dabei bin nur ich es, die sich deutsch fühlt, alle anderen sagen zu mir immer, ich sei überhaupt nicht typisch deutsch. Vielleicht, weil meine dunklen Haare, die Haut und die Augen so täuschend sind.

  4. Puuh, für eine Antwort könnte ich auch gleich einen ganzen Roman schreiben 😉 Erst mal danke für den Kommentar, ich freue mich immer, andere Meinungen zu hören und deine Gedankengänge finde ich überaus interessant – auch wenn ich mit vielem nicht dakor bin, aber das ist ja eigentlich auch ganz gut, denn sonst wären Gespräche und Diskussionen überflüssig.

    Erst einmal kann ich mir gut vorstellen, dass du sehr an „deinem Land“ hängst, ich denke es ist normal, dass jeder Mensch etwas braucht, woran er sich klammern, womit er sich identifizieren kann, ob das jetzt die rote Gruppe im Kindergarten oder eben Deutschland als kleine Gruppe scheinbar gleichgesinnter Menschen ist. In einer Masse aufzugehen und Teil von etwas zu sein ist eben immer ein angenehmes Gefühl. Ich bin natürlich auch nicht frei von solchen Gedanken – es stört mich, wenn Menschen auf den Straßen Mama und mir mit gerunzelter Stirn nachstarren, weil wir eine andere Sprache sprechen; in Bosnien wieder versuche ich möglichst „bosnisch“ zu wirken, damit auch ja niemand bemerkt, dass ich eigentlich nirgends so richtig dazugehöre.
    Mitlerweile aber denke ich positiver darüber: Es sind eben mehrere Kulturen und bin bin Teil von ihnen, ich gehöre zu beiden.

    Bestimmt ist es hart, als „nicht einmal richtiger Ausländer“ blöde angemacht zu werden, vielleicht auch daher deine Zugehörigkeitsgefühle zu Deutschland? Ich selbst muss zugeben, dass ich von meinem „Nur-halb-Deutschsein“ immer eher profitiert habe, weil die Einstellung in unserer Wohngegend eher radikal links gerichtet ist. Manchmal bin ich glatt froh, damit „aus dem Schneider“ zu sein, denn ansonsten würde ich mich vor den Linksradikalen genauso fürchten, wie vor den Rechten – radikal ist mir eben immer etwas suspekt. So aber bin ich den meisten Leuten gleich wegen meiner Herkunft sympathisch – Fluch und Segen zugleich!

    Und natürlich ist die Fußball WM nicht das einzige, womit man Deutschland assoziieren kann, ich liebe die Deutschen Fachwerkhäuser genauso wie du und vor allem das Schwarzbrot (das gibt es in Bosnien etc. nämlich nicht). Alles in Allem bin ich natürlich auch echt froh, hier zu leben, mit der Mentalität der Leute auf dem Balkan komme ich persönlich nicht wirklich gut klar und Vieles ist hier sehr viel besser geregelt (die Politik ist da nur ein kleiner Teil). Klar, die WM ist ein abgenutztes Vorurteil – sie war aber doch im letzten Jahr häufig Grund für ein Kopfschütteln meinerseits, weil ich einfach nicht nachvollziehen kann, was man an diesem Spiel finden kann und weil ich euphorisches Fahneschwenken ziemlich absurd finde. Natürlich, heutzutage soll man wieder „stolz“ auf sein Land sein, aber ein Land ist für mich nichts, worauf man stolz sein kann, einzelne Kleinigkeiten gefallen mir gut oder nerven mich, aber ein gesamtes Land…?

    Und damit komme ich auch schon zum Thema Schuld, das du hoffentlich aus meinem Beitrag nicht falsch verstanden hast – natürlich sind nicht alle Deutschen Völkermörder! Um Himmels Willen, so etwas zu behaupten ginge mir ab. Und natürlich trägt nicht jedes Kind, das in Deutschland geboren wird, gleich die gesamte „Schuld der Nation“ auf sich. Genau das ist es eigentlich, was ich kritisieren wollte: Niemand behauptet, ein gesundes deutsches Baby sei ein Mörder, dennoch wird in den Schulen noch immer ein unglaubliches Brimborium gemacht und sich – wie ich immer gerne sage – „Asche aufs Haupt gestreut“, obwohl das ja in dieser unserer Generation eigentlich gar nicht mehr so aktuell ist – oder schon, aber mittlerweile mit anderen Themen – Hitler ist doch längst überholt! Zufall, sagst du, hat entschieden, dass wir in diesem Land geboren wurden. Nun, wenn es Zufall war, und da bin ich ganz deiner Meinung, dann kann ich doch unmöglich stolz auf meine Nationalität sein, oder? Stolz bin ich auf etwas, was ich selbst erreicht habe, nicht aber auf einen – vermutlich – glücklichen Zufall.

    Was mich an Fußball glaube ich wirklich stört, ist dieser riesige Hype, der darum gemacht wird. Und ja, sobald sich zusammengehörige Grüppchen bilden, werden die anderen Gruppen ausgegrenzt, Feindbilder kann es schon beim Sport geben und gerade in der heutigen Zeit sollte man da meiner Meinung nach vorsichtig mit sein. Vielleicht strebe ich auch einfach zu hoch – aber ein Weltbürgerrecht wie Kant es sich bereits vorstellte, wäre auch mein Ideal. Denn unsere Nationalität macht uns doch auch immer den Unterschied zwischen uns und „den Anderen“ bewusst, der uns letztendlich nur auseinandertreiben kann, obwohl wir eigentlich friedlich zusammenfinden sollten.

    Was heißt eigentlich International? Jetzt, wo du es ansprichst, gebe ich dir Recht, auf unterschiedliche Kulturen könnte auch ich niemals verzichten. Aber die Frage ist doch, ob wir das überhaupt müssten? Eine Angleichung aller Sprachen und Kulturen wäre ja gar nicht mein Wunsch, es ginge mir auch nicht um eine Aufhebung aller Grenzen im politischen Sinne – ich denke vielmehr an die Mentalität jedes Einzelnen, die sich verändern sollte. Wir sollten eben auch offen sein für andere Kulturen und nicht krampfhaft an unseren festhalten.

    Verantwortung für mein Land möchte ich nicht tragen. Nicht in dem Sinne jedenfalls, denn mir bei einem dritten Weltkrieg ewig Vorwürfe zu machen, könnte ich glaube ich nicht ertragen. Ich übernehme die Verantwortung für mich, meine Moralvorstellungen liegen mir näher als die „meines Landes“, ich muss für mich allein den ersten Schritt tun, denn nur für meine Entscheidungen trage ich wirklich Verantwortung. Leugnen kann ich allerdings auch nicht, dass ich mich hin und wieder gehörig für „mein Land“ schäme!

    Ich weiß nicht, ob du dir einigermaßen vorstellen kannst, was ich meine – mein Gedankenfluss ist vielleicht ein wenig reißend – und ich entschuldige mich für die vielen Anführungszeichen 😉

    Liebe Grüße
    Vi

    • Ach was Vi, dein Gedankenfluss ist vollkommen in Ordnung. Mir geht oft genauso. Ich fange an, an einem Thema zu schreiben und plötzlich fliegen meine Finger über die Tastatur, plötzlich kratzt mein Füller quer übers Papier, während ich kurz davor vielleicht ein, zwei Sätze pro Minute geschafft habe.

      In gewisser Hinscht gebe ich dir Recht, eigentlich ist es oft nur dieses ungewisse Gefühl, nirgends dazugehören. Einer meiner Lieblingssprüche ist, „Gibt es ein wir, so gibt es auch ein wir“. Er stammt von der Autorin Mariette Aërts und ihr Buch „Zwischenwelten“ in dem sie ihn aufgeschrieben hat, ist ein bisschen konfus, aber der Spruch ist hängengeblieben. Es ist ziemlich klar: Wenn es eine Gruppe gibt, gibt es auch Menschen, die ausgeschlossen sind, die nicht ganz dazugehören. Die ausgeschlossen sind. Aber das ist ein zutiefst menschliches Bedürfnis, etwas, das jeder Mensch hat. Früher dachte ich immer, ich gehöre nie dazu, ich bin allein, aber je öfter ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir, dass ich trotz allem immer irgendwo dazugehöre. In manchen Gruppen bin ich vielleicht nur die Randfigur der Gruppe, jemand der vielleicht nicht zum innersten Kreis gehört, dafür sind meine Freunde und ich praktisch die Gruppe der Außenseiter, zumindest in gewisser Hinsicht. Es gibt natürlich Leute, die im Gegensatz zu uns wirklich einsam sind. Aber Gruppen sind irgendwo notwendig. Die Fähigkeit, sich an eine Gruppe anzupassen, unterscheidet uns von Schimpansen: Wenn sie sich entscheiden müssen, zwischen der Gruppe und ihrer eigenen Linie, weigern sie sich viel häufiger, einzulenken. Die Fähigkeit, Kompromisse einzugehen ist dabei die Stärke, übrigens etwas, dass man ja auch oft beim zusammenleben von verschiedenen Gruppen, oder auch Nationen braucht: Kompromisse. Menschen, die immer alles abwiegeln, immer versuchen um jeden Preis einen Konflikt zu vermeiden und die für die Gruppe ihrer eigene Meinung verleugnen, finde ich sehr anstrengend. Ich ecke auch gerne mal an. Aber irgendwann kommt doch der Punkt, an dem das gesamte Streitvolumen aufgebraucht ist, und man eigentlich nur noch die Wahl hat, einen Kompromiss einzugehen, oder sich auf Dauer aus dem Weg zu gehen und letztendlich sind mir dann Kompromisse, in denen man sich ausspricht, doch lieber. Aber Gruppenzugehörigkeit: Selbst wenn ich nicht Deutsche wäre, so wäre ich doch Gymnasiastin, gehörte zur Mittelschicht, wäre Bloggerin, Leserin, Möchtergernautorin, Streberin, Europäerin(das bin ich nämlich auch!), Chorsängerin und vieles mehr. Klar, das ist teils Schubladendenken. Aber das interessante an Zuordnung ist, dass alles verschwimmt, wenn man sich mehreren Gruppen zuzuordnen beginnt. Früher war man Arbeiter, der nach der Schicht Fußball spielt und SPD wählt oder ein kleinbürgerlicher Bauer oder Handwerker, katholisch, der in seiner Freizeit Kegeln ging und CDU wählte. Die Welt war einfach und es gab bestimmt Profile, denen man zumindest in der Theorie entsprechend sollte, aber heutzutage verschwimmt alles mehr und mehr. Es gibt zwar immer noch Bilder, aber sie entsprechen nicht der Realität.
      Gruppen kann man sich im Alltag dennoch nicht entziehen. Das heißt nicht, dass es in jeder Gruppe Gruppenzwang gibt, oder dass man sich vorhandenem Gruppenzwang unterwirft. Die Grenzen hierbei sind sehr, sehr fein und man kann nicht einmal allen Mitgliedern einer Gruppe kaum mehr als ein gemeinsames Attribut zuordnen, weil man sich sonst in Pauschalisierungen verstrickt. Oder auch: wenn man z.B. eine bestimmte Nationalität hat, wird man IMMER feststellen, dass man einigen bis sehr vielen Klischees entspricht, aber oft werden auch ein paar Knackpunkte finden, mit denen man sich gar nicht identifizieren kann. Ergo kommt man selbst zu dem Schluss, dass man überhaupt nicht typisch deutsch/kroatisch/chinesisch/türkisch/sonstwas ist, sondern nur man selbst. Man ist ja nicht wie alle Anderen. Obwohl man aus der Sicht eines Ausländers zumindest einer guten Menge an Klischees entspricht. Für die meisten Deutschen bin ich überhaupt nicht typisch deutsch. Aber wenn ich in einem anderen Land bin und erkläre, dass ich Deutsche bin, finden die anderen immer irgendetwas „typisch deutsches“ an mir. Sicher, wer suchet der findet. Aber irgendwo kommen Klischees auch her. Und Andererseits ist die Stärke des Andersseins nicht die, nirgendwo dazuzugehören, sondern zu so vielen Gruppen, dass man zu jeder nur knapp eingeordnet wird und ergo doch an allem Anteil hat. Etwas, das dir vielleicht bekannt vorkommen dürfte, mit den zwei zweieinhalb Sprachen die du sprichst. (Oder wie hast du das gemeint?)

      Nun ja, vielleicht lebe ich auch in anderen Verhältnissen. Ich komme aus einer verschlafenen kleinen „Arbeiterstadt“ an der Grenze zwischen BW und BY, das politisch kaum Radikale hat. Die Wähler meiner Stadt haben bei der Bundestagswahl exakt die gleichen Prozentsätze gewählt, wie die gesamte Bundesrepublik, um die Flüchtling kümmert man sich echt gut und abgesehen von einer Fast-und-doch-nicht-Pegida, die sich am Ende als sehr Flüchtlingsfreundlich herausstellte und gar nichts mit Pegida zu tun haben wollte. Vielleicht kippt die Stimmung, wenn die Landeserstaufnahmezentrale bei uns eingerichtet wird, das kann schon passieren, aber Neonazis und Linksradikale kennt man bei uns nur aus den Nachrichten. Deswegen ist es auch einfacher, weder rechts noch links zu stehen, ohne sich inkonsequent zu fühlen. Wir sind da nicht so polarisiert, als ob es nur zwei Möglichkeiten gäbe. Die heile Welt ist es hier auch nicht, aber zumindest noch ein bisschen ruhiger und verschlafener…

      Schuld, okay, Schwamm drüber. Ich habe es eben ein bisschen zu ernst genommen. Auch wenn nicht glaube, dass Hitler überholt ist. Ich finde, dass das eine Geschichte ist, wegen der man keine Asche auf unschuldige Häupter streuen sollte. Aber vergessen? Fehler sind dazu da, um aus ihnen zu lernen. Deswegen gibt es Geschichtsunterricht.
      Dann müssen wir beide noch lernen, klarer zu formulieren…

      Es gibt auch, „ich bin stolz auf meiner beste Freundin“ „Stolz auf das eigene Kind“ und das ist immer, wenn man indirekt auf jemanden, oder etwas stolz ist, wozu man nicht wirklich, oder nur sehr wenig beigetragen hat. Es kann auch heißen, dass es einen inspiriert und motiviert. Es ist Zufall, von welcher Ecke des Erdballs aus ich das Weltgeschehen beobachte. Es ist aber meine Entscheidung, wie ich es bewerte. Man kann glücklich über seine eigene Ecke sein, oder sie verurteilen. Man kann das Weltgeschehen gutheißen oder verurteilen. Man kann sich entscheiden, ob man mit der vorherrschenden Meinung in der eigenen Ecke übereinstimmt, oder nicht. Wenn mein Vater vor zwei Wochen sagte, er sei stolz darauf, dass Deutschland Flüchtlinge aufnimmt, meinte er nicht, dass er dazu wirklich die Entscheidung getroffen hat. Aber dass das der Grund ist, warum man hierbleibt, warum man dieses Land trotz vieler Fehler trotzdem mag. Stolz auf sich selbst, oder stolz auf eine Gruppe und sich selbst. Aber auch stolz auf eine Gruppe, zu der man selbst nicht gehört. Auch wenn es absurd ist. „Nationalstolz“ in dem Sinne, kann es nicht geben, und es ist eigentlich keine heile, sichere Anwendung von Sprache. Aber das Wort gibt es, verflixt nochmal, weil es schwierig ist, dieses Gefühl zu definieren. Heimatliebe? Vielleicht. Jedes deutsche Wort, das in die Richtung geht, ist kitschig, überzogen und unpassend.

      Unterschiedliche Kulturen haben immer Reibungspunkte. Mal härtere, größere, mal kleinere, weichere, die kaum etwas ausmachen. Zwischen einigen Kulturen sind die Grenzen dünn. Andere Kulturen sind wie Kalium und Wasser, an sich harmlos, aber wenn sie in Kontakt kommen, explodieren sie. Natürlich, das ist übrtrieben, denn das muss auch nicht sein. Der Witz ist, es liegt nicht am Einzelnen. Für sich genommen, sind die einzelnen Menschen harmlos, vermutlich sehr nett und auch mal offen für das eine, oder andere. Es ist wirklich einfach, einen einzelnen, einfachen Menschen in einer neuen Gruppe zu integrieren. Aber zwei Gruppen ineinander?
      Ich habe zwar das Buch, in dem Terry Pratchett das schreibt noch nicht gelesen, aber er hat, nicht wörtlich, einmal sehr treffend beschrieben, dass Menschen einzeln alle vernünftig sind, aber in Gruppen plötzliche total irre werden. Und wie gesagt, kaum ein Mensch könnte sich je von allen Gruppen trennen. Selbst wenn Einzelne in der Gruppe, in der Nation den Gruppen, der Überzeugung sind, dass es anders laufen könnte und der Konflikt nicht nötig ist, eine Basisgruppe wird am Ende doch immer den Konflikt aufrechterhalten. Und komplett frei von der Gruppe sind die wenigsten, weil man doch so einiges mit ihre gemeinsam hat. Aus einigen tritt man vielleicht doch irgendwie aus, aber die Verbindungen bleiben trotzdem irgendwo. Nicht die Einzelnen, die Gruppen machen Konflikte. Konflikte zwischen zwei Einzelnen können selten so groß werden, dass sie die Welt in Schutt und Asche legen (in Märchen und Geschichten vielleicht, aber nicht wirklich)
      Und du hast recht, es wäre schön, wenn man zumindest alle politischen Grenzen ausmerzen könnte. Imagine there’s no country. Das träume ich auch gerne und manchmal sehne ich mich wirklich stark danach. Aber es ist eben auch eine weit entfernte Utopie. Außerdem gibt es ja auch innerhalb von politischen Grenzen oft kulturelle Grenzen. Sprachliche, religiöse. Die vier geisteswissenschaftlichen Elemente namens Politik, Kultur, Religion und Sprache haben die Angewohnheit, aufeinander wechselwirkend zu sein, wie alles in der Welt. Oder sind auch alle ein Stück weit Teil der anderen. Meinungsverschiedenheiten und Kommunikationsprobleme, verschiedene Sichtweisen in diesen Elementen übertragen sich gerne mal auf die anderen Elemente.
      Deswegen braucht man wieder Kompromisse. Und die funktionieren nicht bei einzelnen, sondern nur, wenn die Mehrheit verschiedener Gruppen darauf eingeht und den Kern des Kompromisses versteht.
      Und wenn zwei Gruppen endlich Frieden schließen, fangen irgendwo anders die nächsten Krieg an. Seit der Mensch sesshaft wurde, befindet sich die Menschheit im Dauerkrieg. Richtigen Frieden auf der Welt gab es noch nie.

      Die Einzelnen machen zwar die Gruppe, aber die Idee, jeden einzelnen toleranter zu machen, ist ebenfalls utopisch. Die Mehrheit und einzelne kann man erreichen, aber bis jeder einzelne umdenkt, muss man man vorher bedenken, dass jeder einzelne in Deutschland 80 Millionen, in China tausend Millionen und auf der Welt 7 Milliarden einzelne, individuelle Menschen bedeutet, von denen immer einige viel zu verbohrt sind, um von heute auf morgen toleranter zu werden. So müsste es vielleicht sein, aber jeder muss seine Lektion selber lernen, oder auch nicht. Irgendwo bin ich Weltbürgerin, die so denkt, aber viele andere tun das nicht und würden meinen Anspruch nie anerkennen. Auch das kann ein kultureller Konflikt sein.

      Vielleicht schreibe ich Bücher oder Zeitungsartikel, im Glauben, ich könnte dadurch andere Menschen belehren, werde Geschichts- und Gemeinschaftskundelehrerin, oder mache Politik. Aber es wäre sehr rechthaberisch, wenn ich glauben würde, ich könnte den Menschen Intelligenz aufzwingen, wenn es nur das ist, was ich selber als Intelligenz ansehe.
      Irgendwann lernen vielleicht alle Kulturen, irgendwann sind vielleicht alle Menschen zum Frieden bereit. Irgendwie müssen auch die Reibungspunkte abschleifen. Aber eben, sie müssen sich abschleifen. Vielleicht ist die Welt so hart zu uns, indem sie die Menschheit auf die wirklich harte Tour lernen lässt, aber vielleicht werden die Menschen, irgendwann, wenn wir auf die grausamste Art und Weise wirklich die letzten fatalen Fehler gemacht haben (Fehler wird es auch danach noch geben. Die Natur liebt es, Fehler zu machen, es sind zufälliger „Fehler“ die die Welt verändern und die Entstehung des Homo Sapiens möglich machten) dann, an diesem einen imaginären Punkt (es ist sinnlos zu überlegen, wann das ist. Vielleicht nie, vielleicht geht vorher die Welt unter), also dann werden wir (das heißt, die Menschen der Zukunft, nicht du und ich) umso mehr schätzen können, was wir haben.

      Aber die Wahrheit ist, dass Frieden zerbrechlich ist, eben weil die Natur Veränderungen liebt, -das einzig sichere ist die Veränderung- und immer wieder in Krieg umschlagen kann und dass Menschen, die nichts vom Krieg wissen und nie davon gehört haben, weil sie nur den Frieden kennen, diesen auch nicht fürchten und ergo ihn nicht verhindern (deswegen: Geschichtsunterricht!)

      Die wenigsten Menschen wollen für ihr eigenes Land verantwortlich sein, das ist meiner persönliche Entscheidung einer einzelnen, weil ich glaube, dass man irgendwo ja anfangen muss bei Veränderung, warum nicht erstmal zu Hause? Genauso ist es ja mit der Besiedelung fremder Planeten: Das werden wir nie schaffen, wenn wir nicht hier auf der Erde aufräumen, sonst tragen wir hiesiger Probleme bloß mit. So wie die europäischen Probleme ab dem 17. Jahrhundert alle in ihre jeweiligen Kolonien exportiert wurden.
      Das heißt nicht, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass ich mal in die Entwicklungshilfe gehe, einmal in Krisenregionen gehe und tue, was ich tun kann. Ich fühle mich nicht für alles verantwortlich. Aber eben für das, was ich tun kann. Und im einzelnen kann. Für das ganze. Ohne dass ich glaube, dass ich das ganze lösen kann, oder dass deswegen alle tolerantere und besser Menschen werden, weil wir eben Menschen sind und keine Engel. Ich auch nicht.

      Du siehst, das Dilemma Einzelner-Gruppe ist echt kompliziert. Ich glaube, ich habe mich da auch mal im Kreis gedreht und nicht alles erfasst. Vermutlich hattest du manche von den Ideen auch schon oft, ich will sie nicht für mich beanspruchen. Kulturell bringt das auch ganz schön viel durcheinander, weil z.B. die deutsche Kultur das „Ich“ als eine Grundannahme hat, während man in Südamerika generell eher von einem „Wir“ ausgeht. Beides sind Kulturen, innerhalb denen Gruppen existieren. (Alle Menschen sind eine Gruppe, die in Subgruppen zerteilt ist, die sich untereinander streiten). Also, ICH-WIR. Aber es ist nicht so einfach. Ich glaube, selbst wenn wir mit den klügsten Pyschologen und Philosophen diskutieren würden, es könnte niemand eine klare Antwort geben. Absolut niemand.

      Die Anführungszeichen machen nichts, ich schreibe ja dafür viele kursive Wörter…

      Ich glaube, das könnte noch richtig spaßig werden mit uns zwei 😉

      deine Mulan

  5. Natürlich brauchen Menschen Gruppen, das sehe ich ganz genauso! In der Schule fühle ich mich in meiner Clique am wohlsten, obwohl auch wir eher die „Außenseiter“ sind, verspüre ich immer ein gewisses Gefühl von Stolz, weil ich dazugehöre. Und irgendwie blicke ich automatisch auf diejenigen herab, die nicht mit dabei sind. Nur: Was mir bei vielen Menschen in meiner Umgebung aufgefallen ist (und das nicht im positiven Sinne!), ist die Veränderung, die plötzlich mit ihnen vorgeht, wenn sie in anderen Gruppen, mit anderen Menschen zusammensind. Auf einmal bekomme ich dann doch das Gefühl, es gäbe wieder Klassenverhältnisse, wenn meine Freundin im Beisein von einem „angesehenen, coolen Mädchen“ mich auf einmal vollkommen ignoriert.
    Aber natürlich brauche ich meine Gruppen ganz unbedingt! Ohne meine Freunde oder meine Familie würde ich mich einsam und von aller Welt verlassen fühlen – auch wenn ich ansonsten wohl eher ein Einzelgänger bin 😉 Und mit deinen unzähligen Gruppen hast du sicher auch Recht: Klar, wir gehen aufs Gymnasium und wären daher bei einer Kategorisierung in die Untergruppe „Gymnasiasten“ einzuordnen, aber die Frage ist doch, ob wir diese Kategorisierung überhaupt brauchen? Ist es nötig, sich all der kleinen Gruppen bewusst zu sein, denen man angehört, oder vielmehr, sich mit ihnen zu rühmen? Ich kann Gymnasiastin sein, meinetwegen, aber das ist nun wirklich nichts, womit ich überall herumprahle, ich habe auch ehrlich gesagt nicht das Bedürfnis, mit den meisten Schülern unserer Schule zu einer Gruppe zusammengefasst zu werden, nichts für ungut 😉 Ja, das ist für mich Schubladendenken, obwohl du ohne Frage Recht hast und diese Gruppen existieren, ich würde sie nur nicht gleich als solche bezeichnen. Vielleicht bin ich da eigen, aber als einzige in meiner Klasse ohne Smartphone assoziiere ich mit Gruppen gleich eher etwas negatives, nämlich die nervigen Whats-App-Gruppen, die meine Freunde in Gesprächen mit mir ablenken… ;D
    Was die bestimmten Muster und Vorgaben angeht… na ja, bestimmt war das zu früherer Zeit anders als heute (ein Bauer im Mittelalter konnte sich sicher nicht einfach mal abseilen) und mittlerweile ist alles etwas lockerer geworden. Aber gewisse Idealbilder und Vorstellungen gibt es noch immer. Gesellschaft und Medien machen deutlich, wie du dich zu verhalten hast, gewisse Ansichten sind eben angesehen, mit anderen machst du dich eventuell unbeliebt oder ziehst dir ein paar schräge Blicke ein. Ein dummes Beispiel, aber eins meiner Liebsten: Selbst wenn du individuell bist, rebellisch oder deine eigenen Wege gehst, gegen viele Moden und Bräuche kommen die meisten Menschen einfach nicht an. Mal ehrlich: Du rasierst dir doch bestimmt auch die Beine, oder? Davon bin ich auch nicht frei. Und du kannst mir glauben, es ist verdammt schwierig, die einzige mit einem altmodischen Samsung-Klapphandy zu sein – obwohl ich mittlerweile schon fast wieder so etwas wie einen besonderen Status damit erreicht habe 😉

    Na gut, was das „Stolz sein“ betrifft… Vermutlich hast du Recht, aber ich denke, es ist auch hier – wie so oft – einfach eine Frage der Definition. Natürlich sage ich auch manchmal, ich sei stolz auf meine Freundin, obwohl ich mich vermutlich auf etwas beziehe, das überhaupt nicht mein eigener Verdienst ist. Aber für mich ist das eher so eine Art Redewendung, ich meine damit wohl mehr so etwas wie, ich freue mich, dass meine Freundin etwas so tolles gemacht hat (oder so 🙂 ). Wenn dieses „Stolz auf sein Land sein“ aber ernst wird, finde ich das fragwürdig, einfach, weil mir das „Land“ viel zu pauschal formuliert wäre – zu meiner Freundin habe ich einen konkreten Bezug, zu einem Land nicht, verstehst du, was ist denn das Land, auf das ich so stolz bin? Meine ich damit jetzt die Regierung dahinter, meine ich die Gesamtheit der Einwohner oder vielleicht doch das geographische Fleckchen Erde? Natürlich freue ich mich auch, dass Deutschland Flüchtlinge aufnimmt, ich persönlich wäre dennoch etwas vorsichtig mit dem Stolz, aber das ist wohl meine eigene Definitionssache – ich verstehe auf jeden Fall, was du und auch dein Vater damit meinen und kann es nicht verurteilen (wer bin ich überhaupt 😉 ), es ist wie gesagt bei mir eher eine Frage des Wortregisters.
    Klar, Heimatliebe, so zwielichtig das auch klingen mag, kann auch ich irgendwie nicht abstreiten, schließlich freue ich mich nach Reisen immer wieder, endlich zu hause sein und meine Freunde wieder sehen zu können. Heimat ist ja – zumindest für mich – auch viel mehr, als Deutschland, ich liebe es, durch die kleinen Sträßchen unserer Stadt zu gehen und alles zu kennen, jeden Laden und jedes Haus, in diesen Momenten fühle ich mich zuhause. Der Begriff wird wahrscheinlich einfach aufgrund der Deutschen Verangenheit ziemlich kritisch betrachtet – was auf der einen Seite gut ist – auf der anderen Seite mag sich ein Deutscher vielleicht ungerecht betrachtet fühlen, so kindisch das auch eigentlich ist: „Wieso dürfen denn die anderen eine Fahne schwenken und wir werden gleich als Neonazis abgestempelt?“ Irgendwo sollte man, finde ich, langsam mal ein Maß finden. Das meinte ich auch damit, als ich schrieb, Hitler sei meiner Meinung nach überholt. Versteh mich bitte nicht falsch, ich möchte ihn auf keinen Fall aus den Geschichtsbüchern streichen, aber ich denke, man sollte in der Gegenwart nicht unnötig auf Vergangenem herumhacken. Er gehört eben genau dort hin: In den Geschichtsunterricht, aber mehr bitte auch nicht…
    Zum Beispiel: In einer Geschichtsstunde (in der 10., da waren wir gerade im Kazett) haben wir unsere EIndrücke geschildert. Alle waren ziemlich niedergeschlagen und das Ganze hat mich auch ziemlich mitgenommen (Musste das denn sein? Ich hatte auch vorher schon das Gefühl, einen Eindruck von dem Gräuel bekommen zu haben). Jetzt kam die Frage auf, ob es in Ordnung sei, in den USA ein Mahnmal zu Sklavenhandel etc. aufzustellen, wo sie die Probleme mit der Diskriminierung von Schwarzen ja noch immer nicht ganz unterkriegen konnten. EIne Schülerin meldete sich und sagte, ja, das sei schon okay, denn schließlich hätten die USA – im Gegensatz zu Deutschland – keine so schrecklichen Kriege geführt. Muss ich mehr sagen?
    Leider neige ich glaube ich häufig selbst dazu, rechthaberisch und belehrend zu werden – das gefällt mir eigentlich gar nicht, sollte es dir auffallen, dann sag mir bitte sofort Bescheid 😉

    Nein, das alles ist wirklich nicht so einfach, aber gerade die Tatsache, dass wir vermutlich nie eine Lösung finden werden, finde ich so reizvoll, daher finde ich diese Diskussionen mit dir auch ziemlich interessant (entschuldige, dass ich so lange für eine Antwort gebraucht habe, aber ich hatte ziemlich viel um die Ohren in letzter Zeit). Ja, ICH-WIR, ein ziemlich kompliziertes Durcheinander, aber Philosophie ist eben doch was Tolles 😀
    Ich hoffe, du konntest einigermaßen meine Gedanken nachvollziehen und ich habe nicht zu viel unverständliches Zeug geschrieben (das passiert mir leider häufiger und ich verzettele mich).

    Lg deine Vi

  6. Naja, ich war jetzt auch mal wieder eine Weile abgetaucht… mir ist das wurscht, wenn es im Schneckentempo vorangeht. Man vergisst es dann zwar auch wieder, aber irgendwie kommt man immer wieder doch darau zurück 🙂

    Nee, ich rasiere mir nicht die Beine 😀 allerdings hänge ich dafür in fast zehn WhatsApp Gruppen rum und verplempere meine Zeit auf Twitter. Auch wenn ich andererseits dafür eine der wenigen bin, die sich sklavisch an das Handyverbot an unsere Schule hält (Ich betrachte Befolgung der Regeln als Rebellion gegen all die Klassenkameraden, die nur deshalb sich nicht an Regeln halten wollen, weil sie faul sind, oder nur um die Regeln gebrochen zu haben. Gerade, weil sich niemand dran hält, halte ich mich daran. Ist aber auch nur so eine Marotte). Ich hatte nie ein Klapphandy, das Smartphoe wurde mir direkt von meinen Eltern aufgezwungen, und als ich es hatte, hatte ich es halt. Aber erstaunlich, wie schnell ich mich an das Ding gewöhnt hatte.

    Ich gehöre auch zu meiner kleinen Nerd-Clique in der Schule, aber gerade deshalb will ich einfach nicht den Mund zu voll nehmen, wenn ich auch darauf stolz bin, dass wir sind, wie wir sind. Die angesagten Leute sind auch nur stolz auf sich, weil sie sind, weil sie sind und so lange jeder glücklich ist, ist das noch in Ordnung, ich mache mir eigentlich erst dann Gedanken, wenn z.B. ein einzelner fast gar nichts hat. Ich kenne zwei Jungs an meiner Schule, einer in meiner Kursstufe und einer in der neunten Klasse, die beide etwas abseits stehen und der traurige Umstand ist, dass sie beide gerne Flüchtlingsfeindliche Kommentare im Stile der Pegida von sich geben. Das steht nicht einmal zwangsweise im Zusammenhang, mein Bruder ist auch ein Außenseiter, aber er ist intelligenter aber selbst Außenseiter als solche, werden in Gruppen oder als Gruppe betrachtet. Seltsam nicht? Es gibt immer jemanden, der noch weiter im Abseits steht.

    Ich glaube, fast jeder hat irgendwo seine persönliche kleine Rebellion und andererseits die Stelle, wo er schwach wird. Wir haben alle unterschiedliche Prioritäten, Dinge, auf die am besonders guckt und Dinge, die einen besonders beschäftigen und es ist manchmal echt schwierig zu beurteilen, wann es wichtig ist, seinen eigenen Weg zu gehen und wann man vielleicht doch mal äußeren Zwängen nachgeben sollte.

    Stolz auf Deutschland, dass wir Flüchtlinge aufnehmen, ist in dem Falle, dass so etwas überhaupt möglich ist, dass es geht und dass wir uns nicht von vornherein verschließen. Das finde ich Klasse. Und ich finde in dem Sinne Hitler auch überholt, bloß, ganz aus der Diskussion rausgehen werden wir nie. Eigentlich müssten auch Länder, die nie so einen extremen Genozid in ihrer Geschichte hatten, darüber nachdenken. Auch die USA. Und andererseits sollte man bei uns endlich mal darüber nachdenken, warum Angela Merkel immer so scheinheilig Frieden zu predigt, solange wir jährlich High-Tech Waffen für Millionen von Dollarn und Euros exportieren. Das ist eben etwas, worauf man nicht so stolz sein kann, das aber glaube ich der tatsächliche Punkt ist, wenn es darum geht, stolz auf sein eigenes Land zu sein: Wenn man stolz drauf ist, ohne sich der viel Fehler zu sein, die es nun mal überall gibt. Wenn man blind an die eigene Nation glaubt und bei jedem Makel das Auge zudrückt oder gleich den Kopf wegdreht. Man muss mit diesem Wissen leben können, ohne es wegdenken und ignorieren zu wollen (Without denying it. Warum fällt mir gerade kein passendes deutsches Wort dazu ein? Ach ja. Verleugnen. 😛 ). Natürlich lieben die meisten Menschen ihre ideale Vorstellung von ihrem Land (oder ihrer Clique oder worauf auch immer sie stolz sind) und ich glaube, das ist der Hauptgrund, warum wir meistens misstrauisch werden und warum es problematisch ist, wenn jemand einfach so stolz auf sein Land ist. Da war ich bis eben aber auch blind, dass es solche gibt, die so stolz auf Deutschland sind, ohne sich wirklich im klaren zu sein, was das bedeutet.

    „Die USA haben doch keine so schrecklichen Kriege geführt“
    Das erinnert mich an etwas, das Erich Kästner einmal geschrieben hat, sinngemäß ging es darum, dass Schriftsteller gerade deshalb Schriftsteller werden, weil sie das Bedürfnis haben, ihre Mitmenschen zu belehren (aber im Gegensatz zu den Leuten, die tatsächlich deswegen Lehrer werden, erkannt haben, dass Besserwisser schlechte Lehrer sind) und genau deswegen Bücher schreiben.
    Das zeigt im Grund genommen mal wieder, dass mangelnde Bildung und mangelnde Information im Grunde genommen genauso große Probleme sein können wie Ungleichverteilung (und für letztere sind sie auch häufig verantwortlich).

    Dass ihr überhaupt drüber reflektiert habt. Bei uns hat man einfach gesagt: Tolle Exkusion mit euch, und jetzt geht nach Hause zum Abendessen. Wir haben zwar davor zur Vorbereitung schon einen Film gesehen, aber hinterher reflektieren? Nö. Aber manche haben Selfies in der „Brausedusche“ gemacht.

    lg Mulan

    P.S. Nach all der Diskussion bin ich mir ziemlich sicher, dass wir beide zwei kleine Besserwisser sind und immer das letzte Wort haben wollen. Das liegt nicht nur an dir, das liegt daran, dass wir glaube ich, beide den Drang haben, auf Argumente trotzdem nochmal einzugehen 😉 . Mal sehen, wie lange das noch so weitergeht 😀

    P.P.S Ja, man benutze gerade irgendwie sehr oft, das unpersönliche „man“, man weiß nicht warum…

  7. So, diesmal hat es wirklich ziemlich lange gedauert, mit einer Antwort. Wahrscheinlich philosophieren wir beide hier noch in zehn Jahren herum und kommen von einem Thema zum anderen…
    Ich muss ja ganz ehrlich zugeben, dass ich dich für deine Individualität in Puncto Rasieren beneide – so etwas würde ich mich an meiner Schule gar nicht trauen, eine Zeitlang hat meine Mutter mich immer noch davon abgehalten, aber irgendwann wurde es dann doch zum Zwang und mittlerweile habe ich mich so daran gewöhnt, dass es mir ohne schon selbst unangenehm wird. Ja, wahrscheinlich hast du Recht und wir haben alle solche Punkte, an denen wir auf irgendwie störrische Weise beweisen müssen, wie individuell wir doch sind. Aber ich finde das irgendwie auch schön – immerhin geht es doch immer um eine Selbstdarstellung – als Schriftsteller muss man wissen, wie man sich gut verkauft 😉 Ich „produziere“ mich manchmal ganz gerne, selbst, wenn ich anderen Leuten damit auf die Nerven gehe und Settembrinis Ratschlag damit nicht befolge. (Mein Lieblingsspruch, wenn Leute mich nerven: Informieren Sie sich, aber produzieren Sie sich nicht 😉 )
    Dieses „Individuell-sein-wollen“ hat manchmal schon fast zwanghafte Züge, kann aber auch ganz gut sein. Ich musste zum Beispiel gerade daran denken, wie wir eine Präsentation über den ersten Weltkrieg hatten. Der Typ hat irgendwas von einem Kampfspruch erzählt – statt „Guten Tag“ und „Guten Tag“ zu sagen, begrüßten sich einige Deutsche zu der Zeit wohl mit „Gott strafe England“ und „Er strafe es“. Ziemlich bescheuer, oder? So hat der Präsentierende ein paar Schüler im Publikum begrüßt und jeder von ihnen hat ohne nachzudenken mit „Er strafe es“ geantwortet. In der Nachbesprechung haben sie dann aber große Töne gespuckt von wegen so etwas wie die NS-Zeit oder andere Kriegszeiten werde sich bestimmt nie wiederholen, weil die Leute heutzutage schlauer seien als damals. Aber wenn ich mir solche gedankenlosen Reaktionen ansehe, oder der Fremdenhass in gefühlt ganz Europa und die vielen rechten Parteien, die jetzt langsam überall mehr und mehr Macht bekommen, erscheint mir eine solche „Volksverblödung“ (ganz vorsichtig, ich weiß, auch das klingt wieder gefährlich!) gar nicht mehr so abwegig.
    Gerade heute habe ich mich mit einer Freundin unterhalten, die in Erwägung zog, nach der Schule zur Bundeswehr zu gehen. Irgendwann hatte ich sie zwar soweit überzeugt, einzusehen, dass Soldaten ausgebildete Mörder sind (ein Kriegsrecht sehe ich nicht ein, tut mir leid, aber das ist mir zu paradox!) und man für „Frieden“ nicht „kämpfen“ kann. Sie meinte dann aber dennoch, man brauche eine Bundeswehr, um eben den Frieden im Falle eines Angriffs zu währen, zum Beispiel aber auch im Kampf gegen den IS.
    Diese Sache finde ich ziemlich verlogen! Und jetzt zurück zu Frau Merkel und den Waffenexporten – hähä, toller Übergang 😀
    Großes Gezeter und Lamentieren im Westen – man muss den IS wirksam bekämpfen und dem Terrorismus vorbeugen… Anstatt dass man wirklich aufhört, Waffen zu exportieren, Öl von denen zu kaufen, etc. etc. Das sind doch die einzig wirksamen Maßnahmen, oder? Angriffe sind doch nur Alibitaten, recht medienwirksam und für den Bildleser vielleicht zufriedenstellend, dass dabei zum Großteil Zivilisten zu Tode kommen, ist denen egal.
    Überhaupt finde ich die ganze Lage im Moment so brisant, dass mir ganz elend wird, wenn ich mich zu lange damit beschäftige. In den Nachrichten hört man doch nur von Tod, von Anschlägen, von Bürgerkriegen, von Flüchtlingskriesen und Fremdenhass, überhaupt, die ganze Welt scheint voller Hass und Gewalt. Ich habe schon fast vollkommen aufgehört, Nachrichten zu sehen – manchmal glaueb ich, dass diese ganze Politik mir nicht guttut.
    Was eure Exkursion ins KZ und die fehlende Nachbesprechung angeht – sowas kann ich ja gar nicht haben! Ich weiß nicht, wie es dir ging, aber mich hat diese Besichtigung echt fertig gemacht (wir hatten das Thema auch eigentlich vorher schon gründlich genug durchgenommen, diese Exkursion hätte, finde ich, gar nicht auch noch sein müssen). Aber einfach mal eben ins KZ fahren, weil es ja so ein netter Ausflugsort ist, ist echt furchtbar. Kein Wunder, dass es da zu solchen Selfies kam, auch wenn sowas ja irgendwie schon geschmacklos ist…
    P.S. Ja, wir beide sind echt ziemliche Klugscheißer – aber, wie gesagt, ich sehe nicht unbedingt etwas schlechtes daran, sich selbst ein wenig zu produzieren, wenn es schon sonst niemand für mich tut ;). Abgesehen davon ist unser Werte und Normen Unterricht einfach nur katastrophal und unsere kleinen Dispute finde ich ziemlich spaßig und interessant.
    LG Vi

    • Vielleicht habe ich auch einfach Glück, was unsere Schule angeht. Oder sonstwas. Ich ziehe auch nicht so häufig Röcke oder kurze Hosen an. Und wenn, dann macht es mir tatsächlich einfach nichts. Dafür bin ich vielleicht jemand, der nicht wirklich sorgfältig mit seinem Äußeren umgeht, sodass meine Mutter findet, es sei zu wenig (auch wenn sie dann mit ihren Alternativen auch wieder übertreibt. Klar, okay wenn ich duschen, mir das Gesicht waschen und Zähneputzen soll. Logisch. Und bei einigen Dingen habe ich eigentlich mehr ein Problem mit der Art, wie sie sie mir kommuniziert. Aber sie verlangt auch oft einige absurde Sachen von mir, die ich nicht umsetzen möchte) wobei mein ganzes Verhalten vielleicht mehr auf meine Mutter zurückzuführen ist.

      Stimmt. Blogs sind ja in vielen Fällen ein wunderbares Beispiel dafür, wie sich Menschen selbst darstellen 😉 kann es sein, dass wir beide ein bisschen in Richtung Elizabeth/Hermine neigen? (Elizabeth wie in eurer Fortsetzungsgeschichte und Hermine wie bei Harry Potter :’D ) Wobei bei mir wohl auch ein gutes Stück Luna dabei wäre. (Vielleicht sollte man sich nicht so sehr mit populären Charakteren vergleichen. Aber es ist schon mal einfacher, Charaktere zu benennen als Charaktereigenschaften)

      Ich weiß nicht, ob es in „Sophies Welt“ war oder in „Im weiten Land der alten Zeit“, aber in einem Buch das in diese Kerbe schlug, wurde erwähnt, dass die Menschen schon in der frühen Steinzeit von ihren Fähigkeiten und ihrem Verstand bereits in der Lage gewesen wäre, Düsenjets zu steuern, Computer zu programmieren und vieles andere, wenn man es ihnen beigebracht hätte und sie die Möglichkeiten dazu gehabt hätten. Im Prinzip ist es also nur die Technik die bei uns Fortschrittlicher ist als vorher und nicht die Menschen. Dass unser Körper sich nicht an den Bewegungsmangel der ach so modernen Menschen anpasst liegt daran, dass wir im Grunde genommen immer noch an die steinzeitlichen Verhältnisse angepasst sind (im Grunde genommen kann ich mein Bäuchlein so praktischerweise auch darauf schieben… Nicht, denn ich esse wirklich zu viel. Zurück zum Thema). In dem Zusammenhang fällt mir auch dieses Video ein.

      Insofern ist es ein Wunder, dass unsere Philosophen manchmal so weit gekommen sind. Wird es immer Konventionen geben oder tatsächlich eines Tages eine Gesellschaft, in der die Menschen bereit sind, für sich selbst verantwortlich zu sein? Ich denke (denn ich beobachte es auch an mir selbst und meinem Vorhaben, abzunehmen) dass es einen großen Schritt zwischen dem Erkennen des Problems und seiner Lösung gibt, auch wenn es bloß um menschliches Verhalten geht. Ich finde es ziemlich absurd, wenn Menschen von anderen verlangen, sie sollten von heute auf morgen ihre Gewohnheiten ändern. Sagen kann man es, getan wird dadurch aber nicht unbedingt etwas.

      Wusstest du, das ein Grund, warum die USA überhaupt im Irak eingegegriffen haben der war, dass Donald Rumsfeld tatsächlich davon überzeugt war, dass sich im Irak automatisch eine Demokratie und Kapitalismus etc. pp. manifestieren würde, wenn nur der böse Saddam erst einmal gestürzt wäre. Ich fürchte in der Hinsicht, dass sehr oft direkt neben aller Ignoranz der Glaube dahinter steht, das Richtige zu tun und dass Menschen alle immer nur einen kleinen Teil des Bildes aus einer bestimmten Perspektive sehen.

      Eigentlich wollte ich nur was zu den Jungs sagen, die gerne England von Gott bestraft haben möchten (oder auch nicht). Ich mache das ja auch häufig, dass ich irgendwann Leute zurechtweise oder versuche, sie in solchen Fällen aufzuklären, das Problem ist, dass man dabei von oben herab auf die anderen Menschen zugeht und das bringt dann in dem Fall zwar ein bisschen mehr, als wenn man nichts sagen, hilft aber nicht viel weiter. Manchmal weiß man, dass die Jungs bloß wieder denken, es wäre lustig, andererseits kenne ich einen Jungen, der wirklich rechtsextrem denkt und bei dem es einen ganz anderen Klang hat, wenn er mich „Reisfresse“ nennt. Nur, die, die es bloß lustig finden, lachen dann auch über mich und der andere hört mir schon lange nicht mehr zu, wenn ich auch nur irgendetwas sage. So sehr hat er sich da reingesteigert. So etwas finde ich zum Verzweifeln.

      Ich weiß nicht, ob ich es generell verurteilen kann, wenn jemand zur Bundeswehr geht. Zum einen ist es eigentlich besser, generell gewaltfreier mit Problemen umzugehen. Es stärkt die eigene Verhandlungsposition, wenn man unbewaffnet ist. Ich denke auch, dass Selbstverteidigungsstreitkräfte, wie es sie in Japan gibt, die wirklich nur zur Selbstverteidigung auf eigenem Grund und Boden da sind, besser wären als solche, die auch noch in anderen Ländern intervenieren (und in die man zufällig vorher Waffen importiert hat) aber jemanden generell davon abzuhalten, in die Bundeswehr zu gehen kann ich nicht wirklich nachzuvollziehen. Dass man Einwände erhebt ist okay. Aber ich kann es nicht vollkommenn verurteilen. Das muss man für sich selbst entscheiden, solange man sich vorher auch entscheidet, trotz aller Disziplin immer noch menschlich zu handeln. Ich finde es besser, wenn sich halbwegs vernünftige Menschen dafür entscheiden, als wenn wir die Menschen nach Afghanistan schicken, die im zivilen Leben in Deutschland häufig schon versagt haben. (Wobei, ein anderer, interessanter Gedanke: Der gesellschaftliche Status eines Berufs sagt auch einiges über den Beruf aus. Wenn es so wenig angesehen ist, dass kaum jemand Soldat werden möchte… aber gut ist das so oder so nicht. Es geht ja auf beiden Seiten um Menschenleben, wenn auch mit eindeutigem Ungleichgewicht.)

      China war im 18. Jahrhundert eigentlich auch zunächst kulturell weiter entwickelt als Europa. Aber die chinesischen Streitkräfte waren vollkommen überzeugt, dass der „richtige Kampf“ von Mann zu Mann den Kanonen auf den Kriegsschiffen der Briten überlegen wären und sich aus dem Ideal, dass man selber kämpfen müsste und seinem Gegner in die Augen sehen praktisch ausgeliefert. Ich weiß nicht, ob wir im Zweifelsfall wirklich besser dastünden, vollkommen gewaltlos ohne Streitkräfte. Höchst unwahrscheinlich. Aber worauf würden wir dann setzen? Auf das Gewissen eines einzelnen anderen Menschen kann man vielleicht setzen und seine Waffe fallen lassen. Aber wenn es darum geht, gegenüber vielen Menschen gewaltlos zu werden, ist das schwierig. Ein einziger, der die Nerven verliert und schießt kann ausreichen. Der Berliner Mauerfall hätte auch anders ablaufen können. Waffenlosigkeit ist etwas vielleicht für eine ferne, Utopische Gesellschaft. Aber selbst dann würde man immer wieder von Waffen sprechen müssen, um nicht zu vergessen, wie gefährlich sie sind.

      Vielleicht ist das alles nach dem Prinzip, dass eben die Männer, die den Krieg am meisten fürchten, Waffen bauen. Sicherlich müssten nicht mehr viel an Streitkräften haben, wenn wir aufhören würden, Waffen zu exportieren -aber egal wie wahnsinnig etwas ist, solange Menschen dahinterstehen, die irgendwie davon überzeugt sind, reicht es nicht, zu verlangen, dass man das von heute auf morgen beenden soll.

      Besser Nachrichten sehen, als gar nichts wissen. Meine Mutter ist da grad auf so einem Trip, ja, die deutschen Medien sind doch genauso reinste Propagande wie die chinesischen. Selbst wenn sie recht hätte, nennt sie dann im nächsten Atemzug eine dieser wilden, aktuell in sozialen Medien kursierenden Geschichten von Flüchtlingen, die irgendwo ein Mädchen vergewaltigt haben sollen oder etwas anderes getan haben sollen, als ob man das einfach für bare Münze nehmen könnte. Lügenpresse, Lügenpresse. Und alle Ausländer raus. Moment mal Mama, was hast DU eigentlich für einen Pass? Das ist doch etwas anderes, schließlich war ich schon vorher da. Absurd. Ich wollte längst mal einen Post drüber schreiben.

      Man kann den Medien einiges vorwerfen, aber das kann man auch generell Menschen vorwerfen. Ich glaube, man sollte viel vorsichtiger mit der Frage umgehen, ob etwas Absicht war oder nicht und wer jetzt an was Schuld hat, auch wenn wir alle immer gerne einen Sündenbock haben möchten. Unvorsichtiges Handeln kann genauso schwere Konsequenzen wie Dinge, die mit voller Absicht geschehen. Wir möchten so oder so, jemanden oder etwas, auf dem wir rumhacken können, damit wir uns nicht mit unseren eigenen Unzulänglichkeiten auseinandersetzen müssen. Was sage ich, ich habe bestimmt auch schon oft gegen die eine Person oder andere Sache gewettert, nur weil sie mich geärgert haben.

      Wir hatten rundherum durchaus Besprechungen, uns einen Film angesehen und hatten dort auch eine *ähem* Führung. Allerdings scheint das die meisten meiner Klassenkameraden nicht sonderlich beeindruckt zu haben. Während ich mir bei sonnigstem, heißen Wetter eingebildet habe, Blut zu riechen, auch wenn das sicher schon lange weg war. Ich und meine Fantasie.

  8. Also dass du Elizabeth schon als populäre Buchfigur bezeichnest, muss ja ein gutes Zeichen sein 😉 Früher habe ich tatsächlich versucht, Hermine ähnlich zu sein und Elizabeth und Jade sollten ursprünglich auch auf meinen bzw. Kits Eigenschaften und Charakteren basieren… naja, das Ganze ist vielleicht ein wenig aus dem Ruder gelaufen – für ganz so kratzbürstig und unangenehm wie Elizabeth halte ich mich dann doch nicht (hoffentlich!).

    Ob es immer Konventionen geben wird, weiß ich nicht. Ich hatte eine ziemlich hitzige Debatte mit meinem Vater, in der es darum ging, ob man den Menschen in der heiklen Situation momentan (also Pegida, AFD, etc.) eine „richtige“ Meinung aufzuoktruyieren – sie also zu ihrem eigenen Glück zu zwingen, weil es ja nach der Gauß´schen Normalverteilung der Intelligenz eine gleichmäßig zu beiden Seiten abfallende Kurve gibt (und wir alle uns natürlich für diejenigen im ganz rechten Teil der Kurve halten). Natürlich bin ich vollkommen dagegen, so etwas auch nur ansatzweise durchzusetzen – allein schon, weil das ein Delikt gegen die Demokratie wäre, an der ich zwar ständig rummäkele, die ich aber dennoch sehr schätze. Außerdem fände ich es anmaßend und elitär, mich selbst und vielleicht noch ein paar andere Menschen als die „geistige Übermacht“ darzustellen und alles nach meiner Pfeife tanzen zu lassen! Dass Menschen sich so (vor Allem über den angeblichen Grad der Intelligenz) so voneinander abgrenzen, schürt meiner Meinung nach diese momentane Kluft zwischen uns noch viel mehr. Gut heißen kann ich es natürlich trotzdem nicht – aber etwas verständlicher wird mir die Wut von Pegida und Co so schon, obwohl ich die Allerletzte wäre, mit solchen Leuten zu sympathisieren!

    Was aber der eigentliche Inhalt unserer Diskussion war: Die Frage war, ob nicht vielleicht unsere heutige Gesellschaft zu viel Abstand von Konventionen habe. Früher zum Beispiel, hätten die gottesfürchtigen Menschen in der Katholischen Kirche, dem jüngsten Gericht und dem Himmel einen Lebensinhalt und ein (wenn auch meiner Meinung nach ziemlich dämliches) Ziel vor Augen. Heute aber, wo wir (zum Glück!) alle frei im Denken sind (oder zumindest sein könnten…), scheint es mancherorts an Inhalt zu fehlen. Lückenfüller sind dann zum Beispiel RTL2 und Ähnliches.

    Im Grunde genommen habe ich Religion als Agnostiker (wie ich den Ausdruck von meinem Vater übernommen habe 😉 ) immer für eine ziemlich kreative Art gehalten, die Leute in Grenzen zu halten und sie auf der graden Bahn zu halten. Eben durch die 10 Gebote und andere, häufig sinnvolle, Tipps, die aus der Bibel hervorgehen. Ich denke nur eben, dass diese Gebote etwas für Menschen sind, denen es an Weltverständnis und eigenen Vorstellungen fehlt – ich meine, hey, ich töte nicht, aber nicht, weil es mir von Gott so vorgegeben wird, sondern weil das mit meinen eigenen moralischen Wertvorstellungen ganz und gar nicht vereinbar ist!

    Dass die meisten Menschen sich vermutlich eigene Grundsätze aufbauen (basierend auf dem Naturrecht, das Gesetz spielt aber natürlich immer auch eine große Rolle), ist mir klar. Dass einige Menschen genaue Anweisungen brauchen, was zu tun ist, ist mir leider auch klar. Dass einige Menschen genau das tun, was ihnen von „höherer Instanz“ gesagt wird, ist traurig, aber leider zum Teil auch so. Deshalb wäre die Idee, Menschen in eine Denkrichtung zu lenken, natürlich nicht abwegig, meiner Meinung nach aber dennoch total verwerflich…

    Ich glaube nicht, dass Menschen (also „Die Menschheit“ im Allgemeinen) für sich selbst verantwortlich sein kann und ich glaube, dass wir alle irgendwelche Strukturen brauchen, die uns feste Regeln vorschreiben – sei es das Gesetz des Landes, die Bibel, der Koran oder was weiß ich… Manchmal kann ich schon verstehen, dass Einzelne beim Betrachten der ganzen Dummheit – und eigentlich vor Allem Faulheit, wegen der man nichts an sich selbst ändern will (und ja, das kenne ich von mir selbst auch) einen Anfall bekommen. Und trotzdem glaube ich, dass die Demokratie die bestmögliche Staatsform ist, die wir haben können. Eben – es ist absurd, wenn jemand mir sagt, was ich tun soll: Eben das will ich ja nicht, also kann ich es auch niemandem sonst vorschreiben, selbst wenn ich ihn in meiner Arroganz vielleicht für blöd erkläre.

    Ja, du hast Recht, manchmal sehe ich auf andere wirklich von oben herab – vielleicht ist das der Grund, dass viele Leute es bei mir genauso tun ;). Aber ganz im Ernst, das ist eine Eigenschaft, die ich an mir hasse und die ich unbedingt loswerden will.

    Doch, ich verurteile es generell, wenn jemand zur Bundeswehr geht. „Stell dir vor, es ist Krieg und niemand geht hin.“ Menschen haben ihre eigene Wahl, niemand wird gezwungen, zur Bundeswehr zu gehen. Und eben wenn wir in unserer schönen Demokratie allen erlauben, für sich selbst verantwortlich zu sein, dann erwarte ich auch, dass diese Menschen das sind, sprich, darüber nachdenken, dass der Job eines Soldaten ist, auf Befehl zu töten und dass das mit den am tiefsten in unserer Gesellschaft verankerten ethischen Grundsätzen total auf Kollision fährt.
    Klar, bin ich auf der anderen Seite auch nicht diejenige, die das Recht hat, jemanden davon abzuhalten – trotzdem versuche ich, diesen Gedanken jedem auszutreiben, weil ich nun einmal ein Pazifist bin und auch immer noch den naiven Glauben an eine friedliche Welt nicht verloren habe (trotz der schrecklichen Geschehnisse in der Welt 🙁 ).
    Ich glaube, dass dieses Kämpferische noch irgendetwas Tierisches in uns ist – vielleicht völlig normal, aber nichts, das über ein Computerspiel hinaus ausgelebt werden sollte, finde ich. Schön, wenn einige Menschen ihre Hormone nicht im Griff haben, habe ich nicht unbeingt ein Problem damit, dass sie sich gegenseitig abschlachten, solange sie es freiwillig tun. Wenn aber – wie bei allen Kriegen – Unschuldige und Zivilisten dabei ums Leben kommen finde ich das Ganze höchst brisant und dann ist mir egal, auf welcher Seite „unsere“ Soldaten gekämpft haben, dann sind alle Männer in Tarnfarben für mich Tötungsmaschinen und nichts weiter, tut mir leid, das so sagen zu müssen.

    Das Beispiel mit den Boxerkriegen in China finde ich echt traurig, weil es eben beweist, dass meine Theorie nur eine Theorie ist und wir uns vermutlich immer nur im Kreis drehen werden. Schade, dass es offensichtlich nicht ohne Gewalt und „Herrschaftssyndrom“ gehen kann, oder? Aber die Idee einer „Selbstverteidigungstruppe“ finde ich schon etwas weniger haarsträubend. Obwohl ich nicht glaube, dass es heutzutage noch zu einem offenen Feldangriff auf Deutschland kommen würde. Wenn, dann würden diese Kriege vermutlich außer Landes ausgefochten werden, und dann braucht man auch keine Selbstverteidiger. Und wenn uns jemand wirklich angreifen wollte, wäre das mit der Atombombe ein Kinderstreich, da braucht man dann auc überhaupt keine Streitkräfte mehr…

    Ja, ich finde die Lage gerade auch ziemlich brisant. Dass die Leute wieder anfangen zu hetzen, diesmal ja wohl eher auf Muslime, finde ich wirklich traurig und auch beschämend, gerade wenn man bedenkt, dass Nazi-Deutschland ja noch nicht sooo lange her ist, als dass man mit dem gleichen Prinzip wieder anfangen könnte – teilweise läuft, finde ich, gerade genau das Gleiche ab wie damals, nur, dass man sich eben andere Sündenböcke gesucht hat. Klar, irgendjemand muss immer schuld sein, wenn man sein eigenes Leben verbockt hat…

    Ich finde das Thema sogar so heikel, dass ich nie weiß, was ich jetzt sagen oder schreiben darf, und vor allem: wer mich dafür hassen und anfeinden wird. Ich hoffe, du verstehst meinen (wirklich sehr chaotischen!) Gedankengang nicht falsch und konntest zumindest bruchstückweise verstehen, was ich meine. Mein Problem ist manchmal, dass ich einfach rücksichtslos raushaue, was ich denke und erst später fällt mir auf, dass einiges vielleicht falsch verstanden werden könnte… Falls das der Fall sein sollte, kritisier mich ruhig 😉

    Man, ja, kein Wunder, dass du Blut riechen konntest, mir ging es auch echt elend, als wir im KZ waren! Dass wir ständig solche Führungen machen, finde ich furchtbar! Die Unterrichtsstunden hatten mir ehrlich gesagt auch schon gereicht, aber naja, wer sich selbst quälen möchte… 🙁

    Liebe Grüße von Vi, die ziemlich müde ist und daher wahrscheinlich nur Unsinn geschrieben hat 😉

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